LandFrauenverband Württemberg-Baden zieht positive Bilanz nach Fachtag für Bäuerinnen und Weingärtnerinnen im Internationalen Jahr der Bäuerin
Hier gibt es die Pressemitteilung (pdf).
Unter dem Motto „Starke Frauen in der Unternehmensleitung" hat der LandFrauenverband Württemberg-Baden e.V. am 29. September 2026 gemeinsam mit seinem Agrarsozialen Arbeitskreis zum Fachtag für Bäuerinnen und Weingärtnerinnen auf dem Landwirtschaftlichen Hauptfest (LWH) ein geladen. Rund 450 Bäuerinnen, Weingärtnerinnen und Gäste kamen dafür ins Gastronomiezelt auf dem LWH-Gelände, darunter auch zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Ministerien, Landratsämtern und Verbänden. Die gute Stimmung und der lebhafte Austausch zeigten, wie groß das Interesse an den Themen von Frauen in der Landwirtschaft ist.
Der Fachtag stand in diesem Jahr im Zeichen des „Internationalen Jahres der Bäuerin". Weltweit sind rund 38 Prozent der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft Frauen, in Deutschland werden jedoch nur 11 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe von Frauen geleitet, ein Wert deutlich unter dem EU Durchschnitt. Genau hier setzte die Veranstaltung an.
In ihrer Begrüßung würdigte Präsidentin Karin Rau den Agrarsozialen Arbeitskreis des Verbands, der den Fachtag maßgeblich gestaltet hat und in diesem Jahr sein 38-jähriges Bestehen feiert. Isabel Kling, Ministerialdirektorin im Ministerium für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat, hielt im Anschluss ein persönliches Grußwort und betonte, wie viel Frauen in der Landwirtschaft leisten, auf dem Hof, in der Familie und als „Kümmerinnen" für die Mitarbeitenden.
Den Mittelpunkt des Vormittags bildete der Impulsvortrag „Zukunft Landwirtschaft – Frauen übernehmen die Führung" von Christine Reitelshöfer, Zweiter Vizepräsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes. Sie zeigte eindrücklich, welche Hürden Frauen überwinden müssen, bevor sie einen Betrieb übernehmen oder sich selbstständig machen, von überkommenen Rollenbildern über bürokratische Hürden bis zu strukturellen Problemen bei der Kreditvergabe, da Banken verlangte Sicher heiten wie Grund und Boden meist dem Ehemann gehören. Reitelshöfer forderte, dass mehr Frauen in Entscheidungsgremien vertreten sein müssten, und ermutigte die Zuhörerinnen, ihr Leben selbst bewusst in die Hand zu nehmen. Dazu zitierte sie ihre Tochter, die bereits mit vier Jahren feststellte: „Es heißt immer, die Klügere gibt nach. Aber wenn das jede machen würde, würden nur noch die Dummen entscheiden."
In der anschließenden Podiumsdiskussion tauschten sich Isabel Kling, Christine Reitelshöfer, die Unternehmerin und Hofnachfolgerin Ann-Sophie Rukwied, die Agrarwissenschaftlerin Sophie Stier so wie Betriebsleiterin Judith Krauß unter der Moderation von Christine Binder über Herausforderungen und Chancen für Frauen in Führungspositionen der Landwirtschaft aus. Einig waren sich die Podiumsgästinnen, dass das Bild der Landwirtin überholt sei, moderne Landwirtinnen seien heute junge Unternehmerinnen. Als zentrale Themen nannten sie den Wunsch nach weniger Bürokratie und mehr Planungssicherheit, den Rückhalt in Familie und Generationen sowie Bildungsangebote rund um die Hofübergabe.
Podiumsdiskussion v.l. Moderatorin Christine Binder, Christine Reitelshöfer, Ann-Sophie Rukwied, Judith Krauß, Sophie Stier
„Das große Interesse an unserem Fachtag hat uns sehr gefreut. Es zeigt, wie wichtig dieser Austausch für Bäuerinnen und Weingärtnerinnen ist", sagt Karin Rau, Präsidentin des LandFrauenver bandes Württemberg-Baden. „Wir organisieren den Fachtag deshalb immer wieder auf dem Land wirtschaftlichen Hauptfest, als festen Ort für starke Frauen aus der Landwirtschaft." Renate Wolf, Vizepräsidentin des LandFrauenverbandes, selbst Landwirtin und Vorsitzende des Agrarsozialen Arbeitskreises, war an der Vorbereitung des Fachtags maßgeblich beteiligt: „Die Beiträge haben eindrücklich gezeigt, mit wie viel Kompetenz und Mut Frauen heute landwirtschaftliche Betriebe führen oder deren Übernahme vorbereiten. Wenn wir Frauen in der Landwirtschaft stärken, stärken wir die Zukunftsfähigkeit unserer Höfe und unseres ländlichen Raums insgesamt." Im Anschluss an den Fachtag nutzten viele Teilnehmerinnen die Gelegenheit, das Landwirtschaftliche Hauptfest zu besuchen und am LandFrauenstand in Halle 1 vorbeizuschauen.
Über den LandFrauenverband Württemberg-Baden e.V.
Der LandFrauenverband Württemberg-Baden e.V. ist eine der größten Frauenorganisationen in Baden-Württemberg und die starke Stimme für Frauen im ländlichen Raum. Mit rund 51.000 Mitgliedern, 24 Kreisverbänden und rund 570 Ortsvereinen verbindet er Frauen aller Generationen, Berufe und Lebenssituationen. Als überparteilicher und überkonfessioneller Verband setzt er sich für Bildung, politische Interessenvertretung und gelebte Gemeinschaft ein.
